Warum der Heilige Quirinus für alle Neusser wichtig ist

Die meisten Neusser lieben ihren Stadtpatron, den Heiligen Quirinus. Es gibt kaum ein Produkt, das man nicht auch mit dem Aufdruck des Heiligen Quirinus oder der Kirche St. Quirin kaufen kann: T-Shirts, Kaffeetassen, Pralinen, Likör uvm. Und bei Facebook erzielen Beiträge mit der Münsterbasilika regelmäßig hunderte von „Gefällt mir“-Klicks.
Heute, am 30. April, ist der Festtag des Heiligen Quirinus. In der Wallfahrtswoche, die nun zu Ende geht, sind wieder viele unzählige Menschen zur Basilika St. Quirin gepilgert. Und auch wenn morgen Abend der Schrein mit den Gebeinen des Heiligen in einer festlichen Prozession um das Münster herum getragen wird, werden sich wieder hunderte Gläubige anschließen.
Die Neusser verehren ihren Stadtpatron – und das auch in einer Zeit, in der Glaube und Kirche anscheinend an Bedeutung verlieren.

Die Quirinus-Verehrung

Um das Jahr 1050 wurden die Gebeine des Heiligen nach Neuss gebracht, seitdem wird er hier verehrt. Im Jahr 2000 haben auch die evangelischen Christen anerkannt, dass Quirinus für sie ein Vorbild des Glaubens ist.
Quirinus ist nicht nur Patron der Stadt Neuss, sondern auch der Pferde, Rinder und Ritter. Gegen diverse Krankheiten wird er ebenso angerufen.

Warum ist der Heilige Quirinus so wichtig? Und was bedeutet er für diejenigen, die nichts für Heiligenverehrung übrig haben, die keiner Kirche angehören, die nicht an Gott glauben?

Fragen wir uns doch einfach einmal, was der Begriff „heilig“ bedeutet. Heilige sind – so glauben die Katholiken (evangelische Christen verehren keine Heiligen) – besonders nah bei Gott. Sie werden deshalb oft als Fürsprecher angerufen; mit anderen Worten: sie sollen bei Gott ein gutes Wort für uns einlegen. Einen Menschen heilig sprechen kann nur der Papst. Zuvor wird in einem langen und aufwändigen Verfahren untersucht, ob die Person im christlichen Sinne Herausragendes geleistet hat, ob ihr Wirken besonders vorbildlich war.
Man kann also mit ganz einfachen Worten sagen: Heilige sind Vorbilder. Sie haben so gelebt, dass für alle Zeiten an sie erinnert werden soll. Möglichst viele Menschen sollen ihnen nacheifern. Der vielleicht berühmteste Heilige ist St. Martin. Jedes Jahr am 11. November ziehen zu seinen Ehren Laternenzüge durch die Städte; wir erinnern uns daran, wie er seinen warmen Mantel mit einem armen Bettler geteilt hat.

Doch kommen wir zum Heiligen Quirinus zurück. Warum ist er ein Heiliger? Was war an seinem Leben vorbildlich? Der Überlieferung nach war Quirinus ein römischer Offizier und arbeitete als Gefängniswärter. Zu den Insassen gehörte Papst Alexander. Quirinus und seine Tochter Balbina ließen sich von ihm zum Christentum bekehren und taufen. Deshalb wurden beide von den Römern hingerichtet. Man nennt dies Märtyrertod.
Mit heutigen Worten würden wir den Heiligen Quirinus als Überzeugungstäter beschreiben. Als jemanden, der an dem festhielt, was er für gut und richtig hielt. Selbst durch Todesgefahr ließ er sich nicht davon abbringen.

Das Quirinuslied

Der Neusser Architekt, Musiker und Politiker Julius Busch (1838-1912) hat das Quirinus-Lied mit seinen acht Strophen geschrieben. Die erste davon lautet:

Zu Dir send‘ ich meinen Gruß, / fall‘ in Demut Dir zu Fuß, / heiliger Quirinus! /
Höre doch mein Bittgeschrei / und im Leid mein Helfer sei, / heiliger Quirinus!

Erleben wir nicht heutzutage oft, dass eine Überzeugung kaum noch etwas zählt? Erfahren wir nicht häufig einen gedanklichen Mainstream, in dem alles egal und nichts mehr wirklich wichtig ist und in dem echte Überzeugungen keinen Platz haben? Bekommen wir vielleicht sogar mit, dass Menschen beschimpft werden, weil sie an einer unbequemen Meinung festhalten?
In solchen Situationen kann der Heilige Quirinus auch für uns ein Vorbild sein. Und Vorbilder können wir nicht genug haben. Egal, ob wir gläubige Menschen sind oder nicht.

Foto: Stadt Neuss

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