Keine Baugenehmigung auffindbar – Quirinus-Münster wird abgerissen

Einen Tag vor Gründonnerstag und damit unmittelbar vor den Feierlichkeiten zum Osterfest bot sich den Neussern am frühen Mittwochmorgen ein Bild, das viele zunächst für einen schlechten Traum hielten: Mehrere schwere Abrissbagger und Baugeräte hatten rund um das Quirinus-Münster Stellung bezogen und begannen, die Kirche abzutragen. Der Grund für den drastischen Schritt ist ebenso überraschend wie ungewöhnlich: Für das über 800 Jahre alte Gotteshaus ist nach Angaben der Stadt keine gültige Baugenehmigung auffindbar.

Das Fehlen der Genehmigung wurde im Zuge der seit längerem geplanten Sanierungsarbeiten entdeckt. Mitarbeiter des Bauordnungsamtes hatten routinemäßig die Bauakte angefordert – und mussten feststellen, dass die entscheidenden Unterlagen offenbar nicht existieren. Auch eine intensive Suche in Archiven, Depots und kirchlichen Beständen blieb erfolglos. Deshalb sei „von einem formell nicht genehmigten Bauzustand auszugehen“.

Als historisch gesichert gilt, dass der Grundstein für das Münster bereits im Jahr 1209 unter der Leitung des Baumeisters Wolbero gelegt wurde. Die Errichtung zog sich über rund 20 Jahre hin. Das Bauwerk wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach erweitert, restauriert und instandgesetzt. Umfangreiche Kriegsschäden wurden nach dem Zweiten Weltkrieg behoben. Zuletzt erfolgte in den Jahren 1988 bis 2006 eine umfassende Generalüberholung der Kirche. Nach Abschluss der Arbeiten wurde sie 2009 von Papst Benedikt XVI. zur „Basilica minor“ erhoben.

Der kirchenrechtliche Status entfaltet aber nach Einschätzung der Stadt „keine bauordnungsrechtliche Relevanz“ und kann den Abriss nicht verhindern. „Schwarzbauten sind nicht zu tolerieren“, heißt es dazu aus dem Rathaus. Entsprechend rückten die Bauarbeiter in den frühen Morgenstunden an, um erste Abbruchmaßnahmen einzuleiten. Immer wieder blieben Menschen stehen, fotografierten die Szene oder schüttelten ungläubig den Kopf.

Der Neusser Bürgermeister äußerte sich bereits zu den Entwicklungen. In einer kurzen Stellungnahme kündigte er an, die Stadt werde „im Interesse einer geordneten Stadtentwicklung“ prüfen, das Grundstück zu erwerben. Denkbar sei dort etwa ein Innovations- und Bildungszentrum der Industrie- und Handelskammer (IHK). Alternativ kämen auch eine neue Stadtbibliothek, ein Neubau für das Stadtbad oder eine multifunktionale Stadthalle in Betracht.